2.3 Der Weg zur Kommissionsgründung (1927–1935)
1 Der Weg zur Kommissionsgründung (1927–1935)
Den Weg zur Kepler-Kommission dokumentiert ein Register, das in den Münchner Kepleriana liegt. Sein Kopf lautet „KORRESPONDENZEINGÄNGE 1927–1934 (W.v. Dyck, M. Caspar) 1935 (M. Caspar, Kepler-Kommission)“ (Dok. 2, S. 12). Ein Register nennen wir diese maschinenschriftliche, laufend nummerierte Liste der eingegangenen Briefe; jeder Eintrag verzeichnet Nummer, Datum, Ort, Absender und eine Inhaltsangabe, das Regest. Das Register reicht von Eintrag 1 (10.08.1927) bis Eintrag 213 (31.12.1935); die Nummer 129 fehlt im Typoskript (Dok. 2, S. 12–16; Dok. 1, S. 1–19). Wer das Register anlegte, ist offen (Abschnitt 3.3). Die Transkriptionen der Registerseiten beruhen auf zwei übereinstimmenden Lesungen.
1.1 Die Reproduktion der Pulkowoer Handschriften (1928–1932)
Am 1. März 1928 schrieb Walther von Dyck an Max Caspar in Rottweil, „heute endlich“ sei die Antwort aus Pulkowo eingetroffen, „gemäß welcher das Astronomen-Kollegium der Sternwarte zugestimmt hat, daß jeweils 2 Bände der Kepler-Manuscripte an die Münchener Staatsbibliothek auf diplomatischem Weg gesendet werden zum Zwecke ihrer Reproduktion“ (Dok. 2, S. 11). Er werde „sofort nach Eintreffen der ersten Bände (IX und X)“ die Kopien herstellen und kontrollieren (ebd.). Das Register verzeichnet denselben Brief als Eintrag 2 (Dok. 2, S. 12).
Die Einträge der folgenden Jahre zeigen, woher Dyck und Caspar ihr Material bezogen. Dyck meldete Kepler-Briefe in Wolfenbüttel (Eintrag 24, 23.10.1931), ließ die Kepler-Handschriften der Codices 1607 und 1608 der Universitätsbibliothek München photographieren (Eintrag 36, 17.11.1932) und schickte am 22.11.1932 eine „Genaue Aufstellung der photographischen Reproduktionen der Kepler-Briefe (an Herwart) aus UB und StaBi München“ (Eintrag 37; Dok. 2, S. 15–16). Dieser Brief liegt als eigenhändiges Schreiben Dycks auf dem Briefkopf des Mathematischen Instituts der Technischen Hochschule München in den Kepleriana (Dok. 5, S. 1–2); seine Transkription ist noch ungeprüft. Zugleich erreichten Caspar Anfragen und Hinweise von Bibliotheken, Lehrern und Lesern: Der Oberbürgermeister von Sagan teilte mit, dass sich dort keine Kepler-Handschriften befänden (Eintrag 29, 15.01.1932), ein Mainzer Leser rechnete sich „laut Familienüberlieferung der Kepler-Verwandtschaft“ zu (Eintrag 30, 25.01.1932).
1.2 Die Finanzierung und die Beurlaubungen (1933–1934)
Am 14.12.1933 bereitete Dyck „eine Schrift über die Kepler-Ausgabe an die Notgemeinschaft“ vor; mit demselben Eintrag beginnt „die Korrespondenz mit Franz Hammer“ (Eintrag 48; Dok. 1, S. 2). Schmidt-Ott unterstützte den Antrag auf Geldbewilligung der Notgemeinschaft (Eintrag 50, 19.01.1934). Am 07.02.1934 meldete Dyck: „Geld (40.000 M) ist bewilligt und auf Keplerfonds eingezahlt“ (Eintrag 51; Dok. 1, S. 2). Das württembergische Kultministerium teilte mit, dass Ministerpräsident Mergenthaler sich für die Pläne Caspars einsetzen werde (Eintrag 52, 21.02.1934); das Staatsministerium beschloss am 6.4.1934, Caspar für ein Jahr zu beurlauben (Eintrag 58; Dok. 1, S. 4). Caspar selbst berichtet, er habe den Plan im Sommer 1933 Mergenthaler vorgetragen und könne sich seit dem Frühjahr 1934 ganz der Arbeit an Kepler widmen (KGW 1, S. IX).
Franz Hammer fragte, ob er Beurlaubung beantragen solle, „um an Keplerausgabe mitzuwirken“ (Eintrag 62). Das Datum dieses Eintrags lautet im Typoskript „12.06.32“; es unterbricht die Folge der Einträge vom Mai und Juni 1934 und ist als unsicher markiert (Dok. 1, S. 4). Das Ministerium lehnte Hammers Beurlaubung ab (Eintrag 68, 13.07.1934) und entschied am 07.10.1934, Hammer dürfe „wöchentlich 15 Dienststunden für Keplerarbeit verwenden“ (Eintrag 79; Dok. 1, S. 6). Hammer brachte von Anfang an Fragen der Edition ein: die „Form der Edition (Schreibweise, Interpunktion)“ mit der „Crusius-Ausgabe als Orientierung“ (Eintrag 65, 29.06.1934) und Vorschläge für eine „Fragebogenaktion an Bibliotheken“ (Eintrag 76, 19.09.1934). Die Beck’sche Buchdruckerei in Nördlingen schickte Schriftproben und ein Preisangebot (Eintrag 74, 14.08.1934).
1.3 Die Gründung (November und Dezember 1934)
Am 05.11.1934 schlug der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, L. Wenger, „die Einsetzung einer Kommission vor, die in der nächsten Klassensitzung gebildet werden soll“ (Eintrag 88; Dok. 1, S. 6). Am selben Tag starb Walther von Dyck; der Bürgermeister von Weil der Stadt verband sein Beileid „zum Tod Dycks am 5. November“ mit dem Plan, „das Keplerhaus zu erwerben und Keplermuseum einzurichten“ (Eintrag 90; Dok. 1, S. 7). Der Syndikus der Akademie teilte am 16.11.1934 mit, dass die Kommission eingesetzt sei, und forderte einen Bericht über die finanzielle Lage an (Eintrag 93).
Eintrag 96 verzeichnet das „Protokoll der 1. Sitzung der Keplerkommission vom 1.12.34“. Es nennt als Datum der Gründung den 10.11.1934 und als Mitglieder „Eduard Schwartz, Vorsitzender“, Constantin Carathéodory, Georg Faber als Geschäftsführer der Kommission und Jonathan Zenneck (Dok. 1, S. 7). Die Fortsetzung des Eintrags hält die Punkte der Sitzung fest: die „Mitteilung der BAdW (23.11.34) an sämtliche kartellierten Akademien, daß Keplerkommission gebildet wurde“, die Mitarbeiter Caspar und Hammer, die Finanzlage und den Keplerfonds, die Übersiedlung des Büros nach München und „Druck und Verlag C.H. Beck“ (Dok. 1, S. 8).
In den folgenden Wochen wurde Dycks Arbeitsstelle aufgelöst: Seine Mitarbeiterin Dr. Grote bat um Weiteranstellung (Eintrag 97, 05.12.1934), Hammer meldete die „Auflösung des Büros in Solln“ (Eintrag 100, 14.12.1934), und am 21.01.1935 befand sich das Büro in München; fünf Kisten Photokopien gingen nach Stuttgart (Eintrag 107; Dok. 1, S. 9). Am 07.12.1934 schrieb Hammer über die Kommissionsgründung, übte „Kritik an Mitglied Faber“ und nannte die „Leibnizausgabe als Vorbild“ für Editionsrichtlinien (Eintrag 98; Dok. 1, S. 8). Karl Griewank teilte für die Notgemeinschaft mit, die Forschungsgemeinschaft wolle „sich Kepler-Ausgabe nach Kräften annehmen“ (Eintrag 102, 22.12.1934).
1.4 Das erste Jahr der Kommission (1935)
Caspars Beurlaubung wurde bis zum 31.10.1935 verlängert (Eintrag 114). Wenger kündigte am 25.03.1935 an, „Schwierigkeiten mit Kommissionsmitgliedern sollen belegt werden“ (Eintrag 138), und gab am 11.04.1935 den Vorsitz an Geheimrat Schwartz ab (Eintrag 143; Dok. 1, S. 12). Hammer meldete am 06.06.1935, die „Inventarisierung des handschriftlichen Nachlasses ist beendet“ und Schwartz habe sich „für Übernahme der Editionsrichtlinien der Leibniz-Ausgabe ausgesprochen“ (Eintrag 159; Dok. 1, S. 14).
Die Pulkowoer Handschriften blieben Gegenstand der Korrespondenz. Am 05.08.1935 mahnte der Direktor der Sternwarte Pulkowo „2 Bände Kepler-HS“ an (Eintrag 173; Dok. 1, S. 15). Der Bibliothekar P. Jaschnoff schrieb am 19.09.1935, in der Bibliothek lägen sechs Briefe Dycks an den Direktor O. Baklund aus dem Jahr 1913, und beschrieb eine „Mappe Kepleriana“ (Eintrag 180); am 18.10.1935 bestätigte er den Erhalt der Bände XXI und XXII (Eintrag 191; Dok. 1, S. 17). Den Rückweg der Bände über die Staatsbibliothek belegt Caspars Ausgangskorrespondenz (Dok. 4; Abschnitt 2.4). Hammer zog am 24.12.1935 eine Bilanz des Jahres: „mäßiger Erfolg, liegt z.T. an übergeordneten Instanzen“ (Eintrag 212; Dok. 1, S. 19).
Die Zusammensetzung der Kommission bei Erscheinen von KGW 1 nennt Caspar: unter dem Vorsitz von Eduard Schwartz der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Ludwig Bieberbach, Constantin Carathéodory, Max Caspar, Karl Griewank, Franz Hammer und Hans Ludendorff (KGW 1, S. IX).
1.5 Blöcke
Wer schrieb zwischen Dezember 1933 und Dezember 1935 am häufigsten an die Kepler-Arbeitsstelle? Gezählt sind die verschiedenen Registernummern je Absender (mindestens drei Einträge).
Partitur
---
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- id: duckdb-read
input:
sql: |
WITH e AS (
SELECT DISTINCT ref, sender,
coalesce(date_when, not_before) AS d
FROM k.register_entries
WHERE try_cast(ref AS INTEGER) IS NOT NULL
)
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min(d) AS "erster Eintrag", max(d) AS "letzter Eintrag"
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WHERE d BETWEEN '1933-12-01' AND '1935-12-31'
GROUP BY sender
HAVING count(*) >= 3
ORDER BY 2 DESC, 1
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---
Wer schrieb zwischen Dezember 1933 und Dezember 1935 am häufigsten an die
Kepler-Arbeitsstelle? Gezählt sind die verschiedenen Registernummern je
Absender (mindestens drei Einträge).9 Sätze.
bestandenWelche Registereinträge betreffen Pulkowo und die Pulkowoer Handschriften?
Partitur
---
id: register-pulkowo
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- id: duckdb-read
input:
sql: |
SELECT DISTINCT ref AS "Nr.", date_text AS "Datum", place AS "Ort",
sender AS "Absender", regest AS "Regest"
FROM k.register_entries
WHERE regest ILIKE '%Pulkow%' OR place ILIKE '%Pulkow%'
ORDER BY try_cast("Nr." AS INTEGER)
artefacts:
- name: pulkowo
kind: table
file: pulkowo.json
oracle:
n_sentences: {min: 5}
---
Welche Registereinträge betreffen Pulkowo und die Pulkowoer Handschriften?7 Sätze.
bestandenDie Registerseiten mit dem Protokoll der ersten Sitzung der Kepler-Kommission vom 1. Dezember 1934 (Einträge 89–105), Faksimile neben Transkription.
Partitur
---
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SELECT 'kepleriana-munich-2024' AS collection, p.doc, p.pidx, p.review, p.text,
'Dok. ' || d.nr || ', S. ' || (p.pidx + 1) AS label
FROM k.pages p JOIN k.docs d ON d.doc = p.doc
WHERE p.doc = '2024-03-14_11-53' AND p.pidx IN (6, 7)
ORDER BY pidx
artefacts:
- name: protokoll
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oracle:
n_sentences: {min: 2, max: 2}
---
Die Registerseiten mit dem Protokoll der ersten Sitzung der Kepler-Kommission
vom 1. Dezember 1934 (Einträge 89–105), Faksimile neben Transkription.2 Sätze.
bestanden